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[Rezension] Dann press doch selber, Frau Dokta!: Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin, Dr. Josephine Chaos (FISCHER TB)

21 Mrz

Inhalt
Als Frauenärztin schon wieder ungeplant schwanger?! Eine wahre Geschichte, noch lustiger als die Schwarzwaldklinik …Dann press doch selber Frau Dokta

»Ich schwöre: Ich bin lieb! Wirklich! Aber mit Nierenschalen zu werfen – das geht dann doch ein bisschen zu weit. Also schrei ich: ›Frau Pharma? FRAU PHARMA! Es reicht jetzt! Pressen Sie mal, statt hier so rumzufurien!‹ Frau Pharma ist das aber so was von egal!
›Ich press nich mehr, Frau Dokta! Ich will JETZT ´nen Kaiserschnitt! Abba sofoooort!‹
Dann wirft sie mir noch eine ganze Batterie von Schimpfwörtern an den Kopf, deren Bedeutung ich erst googlen muss, bevor sie – und JETZT wird es lustig – einfach aufsteht und davonstürmt …«

Ärzte sind auch nur Kollegen im Kittel: Erleben Sie die Klinik als verrücktes Großraumbüro mit strengen Oberschwestern, attraktiven Chefärzten und vielen tollen Geburten! (Quelle: fischerverlage)

Meinung und Fazit
Schon nach der Leseprobe war mir klar: dieses Buch muss ich lesen.
Bereits auf den ersten Seiten habe ich so viel gelacht wie selten. Bezeichnende Kapitelüberschriften „Wie man Blutegeln das Fliegen beibringt“ oder „Die Steigerung von Wahnsinn lautet – Elternabend“ ließen mich schon schmunzelnd erahnen, was mich im Folgendem wohl erwartet.
Man wird direkt ins Geschehen katapultiert und lernt die diversen Figuren des Romans nach und nach kennen. Allen voran Josephine Chaos, ihres Zeichens schwangere Gynäkologin. Sie erzählt Geschichten aus ihrem Klinikalltag und zieht dabei gnadenlos über Patienten, Schwestern, Ärzte und Hebammen her, wobei Letztere noch vergleichsweise gut wegkommen. Außerdem erfährt man so manches über ihr Familienleben, welches sich auch nicht immer einfach gestaltet.
Da in diesem Buch die „Ich-Perspektive“ gewählt wurde, war Josephine für mich eine perfekte Identifikationsfigur. Egal ob Klinik oder häusliche Umgebung, ich konnte das meiste sehr gut nachempfinden. Hilfreich war hier allerdings sicherlich, dass ich selber lange Jahre auf einer Gynäkologie gearbeitet habe und Mutter bin.
Was die Klinikgeschichten anbelangt, so könnte man zu der Annahme gelangen, dass Josephine alle Anderen für unfähig hält. Ich denke, dass das auch garnicht so falsch ist. Es spricht für ihr ausgeprägtes Ego und dafür, dass sie für ihre Begriffe normal geblieben ist. Im Familienleben gestaltet sich das jedoch etwas anders. Hier ist es auch die Erzählerin selbst, die manchmal recht kritisch mit sich selbst umgeht. Das fand ich nicht nur glaubwürdig, sondern auch sehr sympathisch. Trotzdem bleibt sie immer die Power-Frau.
Die Autorin hat Figuren gezeichnet, die es in sich haben. Alle wirken mal mehr, mal weniger überspitzt, und sie tragen zumeist bezeichnende Namen wie Bambi, Dr. Rotz, O-Helga oder Frau Sorge. Das alles mag sehr klischeehaft anmuten, aber ich garantiere: Personen, zu denen diese Namen wie die Faust auf´s Auge passen, gibt es wirklich! Man muss nur in einigen Krankenhäusern gearbeitet haben, dann weiß man das. Natürlich treten sie nicht so geballt auf, wie es in diesem Roman dargestellt wird. Aber über die vielen „Normalos“ zu schreiben, die es zweifelsohne auch gibt, wäre nunmal äußerst langweilig. Von daher hat die Autorin aus meiner Sicht alles richtig gemacht.
Bei allem Lob möchte ich aber auch zwei Sachen anmerken, die mir nicht ganz so gefallen haben. Der laxe Sprachumgang, mit immer wiederkehrendem „Ächt jetzt!“ war mir manchmal etwas zu viel. Auf den letzten Seiten hatte ich zudem den leichten Eindruck, dass sich die Geschichten in Teilen wiederholen. Das konnte den positiven Gesamteindruck allerdings nicht schmälern.
Warum dieses Buch in die Kategorie „Sachbuch“ einsortiert wurde erklärt sich dadurch, dass man es mit vielen medizinischen Begriffen zu tun bekommt, die, wenn sie unbekannt sein sollten, sehr gut im Anhang erklärt werden.
Für mich ist es jedoch trotzdem eher ein „Lachbuch“. Unterhaltsam, lustig und überdreht, mit vielen Quäntchen Wahrheit – vom Anfang bis zum Ende.

Die Autorin
Dr. Josephine Chaos ist ein Pseudonym. Die Gynäkologin wurde ungeplant schwanger (mehrfach), ist lange verheiratet (glücklich) und arbeitet für ihr Leben gern in einer mittelgroßen Klinik irgendwo in Deutschland. Und wenn gerade mal keine Patientin in den Wehen liegt oder die Kinder in der Schule sind, bloggt sie, was ihr chaotischer Alltag hergibt, auf http://www.josephinechaos.wordpress.com. (Quelle: fischerverlage)

Buchdaten
Genre: Sachbuch
Ausgabe: Taschenbuch, ET 21.03.2013
Seiten: 256
ISBN: 978-3-596-19634-0

Die Leseprobe gibt es hier (klick)

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 21/03/2013 in Bücher, Rezension

 

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Eine Antwort zu “[Rezension] Dann press doch selber, Frau Dokta!: Aus dem Klinik-Alltag einer furchtlosen Frauenärztin, Dr. Josephine Chaos (FISCHER TB)

  1. erlesenebuecher

    04/04/2013 at 22:59

    Ach, habe das Buch auch gerade gelesen und mir hat es auch gefallen 🙂

     

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