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Schlagwort-Archive: Homosexualität

[Rezension] „Cavalliersreise. Die Bekenntnisse eines Gentlemans“, Mackenzi Lee (Königskinder)

Ausgabe: gebunden 513era2pAmL._SX301_BO1,204,203,200_
Seiten: 496
Verlag: Königskinder
Erscheinungsdatum: 24. März 2017
ISBN-10: 3551560382
ISBN-13: 978-3551560384
Vom Verlag empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
Herkunft: Rezensionsexemplar
Sterne: 4 von 5

Eine Leseprobe gibt es hier

 

Dies ist ein Roman mit historischem Hintergrund.

Er spielt zu Zeiten der Renaissance, wo Cavalliersreisen üblicher Weise dazu genutzt wurden, um den (fast) erwachsenen Männern einen letzten Schliff in Sachen Umgangsformen, Bildung und Weltgewandtheit zu geben.

Monty und Percy begeben sich auf diese Reise.

Beide kommen aus gutem Hause, wenn ihre Hintergründe auch sehr verschieden sind.
Zu Monty hatte ich ein sehr gespaltenes Verhältnis. Er war mir in vielen Situationen zu unbedacht/unüberlegt und derart nur auf seinen Vorteil bedacht, dass ich manchmal nur den Kopf schütteln konnte. Erst gegen Ende des Romans wurde ich einigermaßen mit ihm warm, da man im Verlauf der Geschichte so einiges erfährt und dann auch besser versteht.
Percy hingegen mochte ich sofort. Er war sehr viel bodenständiger, bedachter, umsichtiger und nicht so „laut“. Daher bildete er den perfekten Gegenpol zu Monty.

Montys Schwester Felicity fand ich herausragend.

Sie begleitete die beiden jungen Männer, und obwohl sie nur eine Nebenrolle spielte, zeigte sie viel Präsenz. Zuerst noch züchtig, mit einem Buch oder Nadel und Faden in der Hand, blühte sie zunehmend auf und wurde zu einer starken Persönlichkeit mit viel Charakter. Sie verkörperte im Verlauf eher einen modernen, der Zeit eher unangepassten Frauentyp, was ich sehr mochte.

Die Geschichtsführung ist großartig, mit einem kleinen „aber“.

Dies hier ist quasi ein all-in-one-Roman. Es ist eine historische Abenteuergeschichte, die Humor, List, Tücke und Kampf gleichermaßen in sich vereint. Man findet aber ebenso Anflüge einer Liebesgeschichte und es geht um Schicksal und Tod. Als letztes Element verwendete die Autorin die Mystik, doch das passte für mich nur bedingt ins Konzept. Sicherlich bringt es zusätzliche Spannung, aber mir war es leider etwas zu fantastisch. Abgesehen davon, kam mir das Ende etwas zu abrupt und einfach vor.

Dafür waren die anklingenden Nebenhandlungen sehr gut gewählt.

Es ging unter anderem um Rassismus, Krankheit und (der Zeit angemessene) Bildung bei Frauen. Letzteres betraf Felicity, die hier mit ihrem Denken und Handeln beeindruckte. Montys und Percys Hauptpart war dahingegen das thematisieren von Freundschaft und Homosexualität. Letztere gab es in der damaligen Zeit schon, wurde aber nach Möglichkeit totgeschwiegen. Ich fand es positiv, darüber auch mal in einem Jugendbuch zu lesen.

Insgesamt fand ich das Buch sehr, sehr gut und kann es empfehlen.

Eine abwechslungs- und temporeiche Geschichte, die hervorragend erzählt und daher nie langweilig wurde.

Mehr zum Buch und zur Autorin findet man auf der Verlagsseite

 

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[Rezension] „Plattenbaugefühle“ von Jannis Plastargias (Grössenwahn Verlag)

Inhalt
Die erste Liebe, die Träume in der Pubertät, die Veränderungen der Umgebung, das Wahrnehmen der eigenen Interessen: Ein Roman für Jugendliche ab 16 Jahren, der sich um die sexuelle Identität zweier Jungen dreht – einer deutsch-türkischen Beziehung, mitten in Deutschland. Den Hintergrund bildet die realistische Beschreibung des Lebens in einer Plattenbau-Siedlung und die Verständnis-Schwierigkeiten zwischen den Kulturen.

Meinung und Fazit
Einmal angefangen konnte ich dieses Buch kaum noch aus den Händen legen, denn schon der Auftakt ist überaus spannend. Zudem ist die Geschichte aus Jonas´ Sicht geschrieben, und somit hatte ich immer das Gefühl hautnah dabei zu sein.
Sehr gefühlvoll wird hier mit dem Thema Homosexualität umgegangen. Der Autor dokumentiert anhand von Jonas den Prozess der Ich-Findung vom ersten Verdacht, über das Leugnen, Erkennen, bis hin zur Akzeptanz und ersten Liebe. Doch gerade hier finden die Probleme neuen Nährboden, denn der Auserwählte ist kein Deutscher….

Doch bevor jetzt der Verdacht aufkommt, dass wäre ein durchweg ernster Roman, muss ich widersprechen. Es gab durchaus auch amüsante und lockere Passagen. Wenn ich z.B. an das Gespräch zwischen Jonas und seinen Eltern denke, muss ich immer noch schmunzeln.

Die Charaktere haben mir alle sehr gefallen. Sie hätten unterschiedlicher kaum sein können, doch gerade dieser Facettenreichtum war es, der die Geschichte dadurch noch lebendiger werden lies.
Die Geschehnisse wirkten authentisch und realistisch in ihrer Darstellung und in sich stimmig. Auch wenn ich einige Passagen unfassbar fand weiß ich, dass man in anderen Kulturkreisen nicht so liberal mit diesem Thema umgeht. Wobei richtiger und wichtiger Weise auch thematisiert wird, dass man es als Homosexueller in Deutschland ebenfalls nicht immer leicht hat.
Zum Schluss wird es nochmal richtig spannend, denn dort werden die Ereignisse des Prologs wieder aufgegriffen, und vorangegangene Situationen werden nochmals aufgegriffen. Ich war sehr beeindruckt, dass es der Autor schaffte mich nochmals zu überraschen….

Von Anfang bis Ende ein tolles und beeindruckendes Jugendbuch, das (nicht nur) über die Problematiken kulturübergreifender, gleichgeschlechtlicher Liebe aufklärt.

Der Autor
Jannis Plastargias, geboren am 6.7.1975 in Kehl, mittlerweile in Frankfurt lebend, freier Autor, Blogger und Diplom-Pädagoge. Er ist Mitglied der Frankfurter Autorengruppe Plan B und im Kulturnetz Frankfurt. Außerdem ist er Juror beim Jugendbuchpreis „Goldene Leslie“, Kultur-Redakteur bei Radiosub und Vorstand im Verein Sprich! e.V. Er zwar zwei Jahre Mitglied der Textwerkstatt (und Merck-Stipendiat). Einige Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften.
http://schmerzwach.blogspot.de/
http://www.plan-b-frankfurt.de/Plan_B/Home.html

Buchdaten

  • Verlag: Größenwahn
  • Broschiert, 2011
  • Seitenzahl: 165
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • ISBN-13: 9783942223072
  • ISBN-10: 3942223074
 
 

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