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Der 1. #TagDerTrinkhallen

20 Aug
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Quelle: Rike/pixelio.de

Als ich vor ca. 20 Jahren ins Ruhrgebiet zog, kannte ich das Phänomen der Trinkhallen nicht.
Weder an meinem Geburtsort, noch bei meinen Urlauben habe ich sie wahrgenommen, und doch waren sie stets da.
Als mir später einmal, an einem Sonntag, ein Liter Milch fehlte, klingelte ich bei meiner damaligen Nachbarin. Auf meine Bitte bekam ich allerdings nur zur Antwort

„Hab ich nich. Geh ma vorne anne Bude, da krisse allet“.

Damals fand ich diese Aussage doch etwas befremdlich, ebenso wie das Ruhrplatt, aber ich lernte zumindest die Trinkhallen (oder auch Buden) schnell zu schätzen.



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Quelle: joakant/pixelio.de

Doch was steckt für eine Geschichte hinter den Büdchen?
In kurze Worte gefasst: die alkoholisierten Mitbürger, die überwiegend der Arbeiterschicht angehörten, wurden als Bedrohung für Ordnung und Moral angesehen. So entstanden Mitte des 19. Jahrhunderts, von der Stadt mit günstigem Baugrund geförderte Seltersbuden bzw. Trinkhallen. Mineralwasseranbieter errichteten sie in den Industriestädten, um die Volksgesundheit zu heben, denn Leitungswasser war damals ungenießbar.

Um die Jahrhundertwende erweiterten die Besitzer das Sortiment und boten auch Tee, Kaffee, Milch und Tabakwaren an. Bald kamen die ersten Speisen hinzu, nicht viel später Zeitungen. Auch der Verkauf von Dingen des täglichen Bedarfs und sogar Alkohol wurde mit der Zeit erlaubt.
Die Buden erreichten ihre Blütezeit in den 60er Jahren, doch als sich später die Schwerindustrie immer weiter zurück zog und 1996 das Ladenschlussgesetz gelockert wurde, schlossen viele wieder ihre Türen und Fenster.

Trotzdem sind sie nicht unter zu kriegen. Es gibt noch ca. 8000 Büdchen, Buden, Kioske und Trinkhallen im Ruhrgebiet, und dies soll heute, am 1. Tag der Trinkhallen, gefeiert werden.

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Quelle: magicpen/pixelio.de

Wenn du Lust und Zeit hast, dann schau vorbei. Es erwartet dich an vielen Orten ein buntes Programm aus z.B. Musik, Lesungen, Poetry-Slam und vielem mehr.
Nähere Infos dazu und weiteres über den Budenkult findest du hier

Ich wünsche dir viel Spaß!
Möge der Budenzauber beginnen!🙂

 
2 Kommentare

Verfasst von - 20/08/2016 in Land und Leute, Uncategorized

 

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2 Antworten zu “Der 1. #TagDerTrinkhallen

  1. schauwerte

    21/08/2016 at 12:20

    Ich fand den gestrigen Tag sehr schön. Buden waren Teil meiner Kindheit. Das war so ein Treffpunkt für die Kids aus der Nachbarschaft und Klatsch und Tratsch über die Leutchen aussem Viertl gab es obendrein.

     
    • lesenundmehr

      22/08/2016 at 01:05

      Wenn man damit aufgewachsen ist, dann ist es sicher nochmal etwas anderes. Ich fand den Tag auch schön, aber ich persönlich hatte als „Zugezogene“ nie ein besonders enges Verhältnis zu den Trinkhallen. Zumal Klatsch und Tratsch eh nicht so meins sind😉

       

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