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So langsam reicht es…. das muss jetzt raus

24 Jan

Ich bin wirklich ein (meist) geduldiger, harmoniebedürftiger Mensch. Ich denke gerne an mich, aber noch lieber an Andere, bin für Hilfe dankbar, helfe aber auch immer selber gerne mit, wenn Not an der Frau ist.
Ich kümmere mich gerne um meine Kinder und lese ihnen gerne etwas vor. Und genau hier platzt mir mittlerweile fast der Kragen.
Nein, es geht nicht um meine Kinder, es geht um die Bücher.

Lange habe ich Diskussionen über diskriminierende Inhalte in Kinderbüchern ausgehalten und habe nur die Augen gerollt, wenn eine Autorin wegen des Ausdrucks „Negerpuppe“ angefeindet wurde.
Aber nun ist der Zeitpunkt erreicht, dass selbst ich so langsam aus der Haut fahre.
Ursprung dafür war ein Artikel im letzten Dezember über die pädagogisch ach so wertvollen Ansichten unserer geschätzten Familienministerin Kristina Schröder, die klassische Kinderliteratur als „oft sexistisch“ hinstellt (Artikel Spiegel Online). Andere Stimmen bemängelten zudem einen „rassistischen“ Einschlag in mancher Kinderlektüre.

Nachdem der Oetinger Verlag schon „Pippi Langstrumpf“ bereinigte, sprang dann der Thienemann-Verlag darauf an und überarbeitete z.B. die „Kleine Hexe“.
Naja, dann sollen sie.
Aber bei allem Verständnis für diverse Minderheiten und ethnische (Klein-)Gruppen möchte ich anmerken, dass Kinder völlig unvoreingenommen an die Inhalte herangehen. Was wir Erwachsenen daraus machen und zusätzlich vermitteln spielt die wesentlich größere Rolle.
Kinderbücher sollten meines Erachtens nach nicht nur vorgelesen werden, sondern sollten Gesprächsanlässe bieten. Dazu gehört, dass man den Kindern klarmacht, dass sie bitte nicht in den nächsten Brunnen springen sollen, weil dort unten, nach Ansicht der Kinder, Frau Holle wartet. Und dazu gehört auch, dass erklärt wird, dass man nicht mehr Neger sagt, weil dies ein nicht mehr angebrachtes, verletzendes, zu ungenaues etc. Wort ist.

Hinzu kommt, dass sich die „political correctness“ ständig ändert, und außerdem von unterschiedlichen Wissenschaftlern ganz unterschiedlich betrachtet/bewertet wird. Wer bitte soll und will da noch durchblicken ?

Ein Artikel der mir diesbezüglich aus Herz und Seele spricht, erschien vor einer Woche bei Spiegel Online. Ich bin gespannt wie ihr dazu steht, denn ich kann dem Autor in vielen Punkten nur zustimmen.

Aber nochmal kurz zur Kinderliteratur und Kristina Schröder. Ich würde doch zu gerne wissen, was unsere Familienministerin unter einem „positiven Frauenbild“ versteht. So wie sie das Fähnchen „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ vor sich her trägt, kann ich mir das nur zu gut erschließen.
Tja, schade…. ich bin „nur“ Hausfrau und Mutter, das sehr gerne und entspreche daher ihrem Idealbild wohl eher nicht. Ich habe meinen Status freiwillig gewählt und bin mir sehr wohl bewusst, dass auch ich damit einer Minderheit angehöre.
Und ich finde es furchtbar, dass mir mit Penetranz um die Ohren gehauen wird, dass ich doch bestimmt arbeiten gehen wollen muss.
Nein, muss ich nicht, will ich auch im Moment (noch) nicht.
Außerdem bin ich viel mehr für meine Familie und mein soziales Umfeld als Hausfrau und Mutter. Ich bevorzuge die Begriffe Familienmanagerin und freischaffende Ehrenamtlerin. Alles Andere empfinde ich als diskriminierend 😉

Nun Frau Schröder, liebe Wissenschaftler: Wie wollen sie der Minderheit, der ich angehöre, gerecht werden ?

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13 Kommentare

Verfasst von - 24/01/2013 in Bücher, Uncategorized

 

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13 Antworten zu “So langsam reicht es…. das muss jetzt raus

  1. Bücherfee

    24/01/2013 at 12:03

    Toller Beitrag.
    Zu den Büchern an sich: Früher waren die Begriffe nun mal normal, auch ohne böswillige Hintergründe. Ich hoffe doch, das ich noch alte Ausgaben bekomme, denn ein Buch von 1950 etc. muss nicht unsere Ausdrucksweise haben.

    Ich bin auch „nur“ Hausfrau und Mutter. Ich habe ein liebes Kind (4 Monate alt) und manchmal frage ich mich selbst: Was hast du heute geleistet? Wenn ich aber zurückdenke und merke das die Kleine gerade ziemlich viel Aufmerksamkeit braucht. Nicht einmal einschläft, ohne Mama und Papa daneben zu haben. Schreit wenn sie wach wird und keinen von uns sieht, geknuddelt werden will, oder einfach Beachtung will- von wickeln, umziehen und füttern mal ganz abzusehen, dann merk ich jeden abend das mein Tag vollgepackt war.
    Und ich muss gestehen: Ich liebe es. Ich liebe die klassische Rollenverteilung- Mann geht arbeiten, Frau kümmert sich ums Haus und das Kind/die Kinder.
    Natürlich wäre es finanziell leichter wenn wir beide arbeiten gehen würden.
    Wir haben aber entschieden, aller aller frühestens, wenn sie in den Kindergarten kommt und dann nur halbtags.
    Wir möchten kein Schlüsselkind.
    Wir möchten das jemand da ist, wenn sie aus dem Kindergarten kommt. Das sie ihr Mittagessen auch mittags bekommt. Das sie voller Aufregung erzählen kann was sie erlebt hat und nicht erst abends, wenn alles schon nicht mehr so aktuell ist und wir möchten das wenigstens einer, alles miterleben kann.

    Liebe Grüße
    Steffi

     
    • lesenundmehr

      25/01/2013 at 01:56

      Ich kann Dich gut verstehen, denn wie ich oben schon schrieb, mag ich meine Rolle auch. Das mit den Finanzen ist so eine Sache, aber ich habe schlichtweg ein Problem damit, dass der Job zu Lasten meiner Kinder geht. Eine Arbeit, die akzeptabel bezahlt wird und sich mit den Schulzeiten vereinbaren lässt, habe ich bisher leider noch nicht gefunden.
      „Gearbeitet“, wenn man es denn so nennen will, habe ich allerdings, seit meine Jüngste 1,5Jahre ist. Ich habe diverse Ehrenämter in Kindergarten, Schule, Sportverein und Kirchengemeinde bekleidet. Nicht bezahlt, dafür aber bei weitgehend freier Zeiteinteilung.
      Daher konnte ich mich über Arbeitsmangel oder Unproduktivität nie beklagen…

       
  2. Blueberry

    24/01/2013 at 12:25

    Du hast verdammt recht! 🙂
    Ich finde, man sollte solche „alten“ Bücher unberührt lassen. Schließlich kann man ja den Kindern sagen, dass man das Wort „Neger“ nicht mehr benutzt und es eigentlich ein schlechtes Wort ist. Wenn das so wäre, müssten sie ja alle Bücher aus dem 20. oder 19. Jahrhundert neu überarbeiten.
    Der Artikel von Spiegel online trifft es richtig gut 🙂

     
  3. davidwonschewski

    24/01/2013 at 12:28

    Vollkommen richtig, sehe ich ähnlich. Ich habe zwar selbst keine Kinder, aber für mich ist eine der größten, weit unterschätzen Gefahren, dass wir uns unser Leben weichspülen wollen. Wir wollen alles glatt machen, keiner soll sich mehr aufregen können/müssen/sollen. Klar, klingt ja zunächst auch erst einmal gut. Aber abgesehen davon, dass das Leben immer wie Tauziehen funktioniert – wenn an einer Stelle geglättet wird, gerbt es sich automatisch woanders, tritt man der Diskriminierung des einen gegenüber, diskriminiert man automatisch wen anderen, versucht man die Freiheit mancher zu erhöhen, beschneidet man sogleich die Freiheit anderer – am Ende wird die Selbstentfremdung stehen. Wir spüren uns immer weniger, wenn wir weiter fortfahren uns zu Plastik zu machen. Ohne Reibung keine Hitze. Der Beginn der Depression und Gefühllosigkeit.

     
  4. Jarg

    24/01/2013 at 12:39

    In der ZEIT (Druckausgabe) von letzter Woche erschienen ausführliche Artikel dazu, die das Thema sehr differenziert beleuchten und gegenüber der gerade zuschlagenden „political correctness“ bei Kinderbüchern eine gut fundierte Gegenposition einnehmen.

     
    • lesenundmehr

      25/01/2013 at 01:39

      Danke für den Tipp 🙂 Ich hab mal bei Zeit Online nach dem Schlagwort Kinderbuch gesucht, und bin auf noch mehr Texte gestoßen, die mein Interesse erregten. Sehr interessant, da hätte ich schon wieder was zu schreiben – aber nun ist erstmal gut 😉

       
  5. laberladen

    24/01/2013 at 17:42

    Ja, der Spiegel-Artikel trifft es sehr gut.

    Mir ist es sehr viel lieber, das verpönte Wort mit der richtigen (positiven, menschenfreundlichen) Einstellung gesagt zu bekommen, als mit politisch korrekten Zynismen belegt zu werden. Da wird doch wieder nur an der Fassade gekittet, die böse dahinter Einstellung bleibt leider meistens bestehen. Und die zeitlosen Klassiker unter den Kinderbüchern werden wegen einer sprachlichen Modeerscheinung verhunzt. Kein Wunder, wenn einem da mal die Wut hochkommt.
    Ich als ganztags Berufstätige Single-Frau ohne Kinder finde mich übrigens im Frauenbild unserer Familienministerin auch nicht wieder. 😉
    Ich glaube, da geht vieles an der Realität der Mehrheit vorbei.
    LG Gabi

     
  6. petrus2105

    24/01/2013 at 18:22

    Mutige Worte wofür Du demnächst öffentlich hingerichtet wirst. Du hast nämlich zwar Recht aber das darf und will heutzutage niemand zugeben.

     
  7. Yvonnes Lesewelt

    24/01/2013 at 20:55

    Danke für deinen wunderbaren Artikel!
    LG
    Yvonne

     
  8. Heiko

    24/01/2013 at 23:38

    Wie wahr, wie wahr. Kinder essen einen Negerkuss (huch) und freuen sich. Erwachsene machen daraus eine Anfeindung an dunkelhäutige Menschen. Und die Kleinen wissen gar nicht, was los ist … Ich schreibe Kindergeschichten, die etwas Lehrreiches rüberbringen sollen, das finde ich wichtig. Punkt.

     
  9. lesenundmehr

    25/01/2013 at 01:28

    Danke für Euren Zuspruch!
    Dass ich mich mit diesem Artikel auf ein brisanntes Thema eingelassen habe war mir bewusst.
    Es gibt aber nunmal einige Dinge in unserer Gesellschaft, die mir garnicht mehr passen, und das Thema „politisch korrekte Ausdrucksweise in Kinderbüchern“ gehört eindeutig dazu.
    Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ich immer gewillt bin größtmögliches Verständnis zu zeigen, aber irgendwann ist auch mal gut. Es kommt auch nicht oft vor, dass mir derart etwas gegen den Strich geht, dass ich es mir von der Seele schreiben muss, aber nun war es halt soweit.
    Zudem tauchte als erstes die Frage auf, wie ich zu einem tolleranten, verständnissvollen Menschen heranwachsen konnte, wenn die Lektüre meiner Kindheit doch scheinbar solch negative Einflüsse hätte haben sollen. Naja, eine Diskussion hierüber führt jetzt zu weit….

    Auch andere Themen brennen mir noch unter den Nägeln, mal sehen wann mir da der Kragen platzt.
    Ihr werdet davon erfahren 😉

     
  10. jessicabecker18021991

    25/01/2013 at 10:57

    nächste Woche muessen sie das Wort Hexe ändern weil es nicht mehr politisch korrekt ist -.-

     
    • Bücherfee

      25/01/2013 at 23:20

      Doch, nur brennen die nicht mehr auf dem Scheiterhaufen, sondern im Pelletofen.

       

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