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[Rezension] „Der Duft der Maiglöckchen“, Heidrun Böhm (Verlagshaus el Gato)

21 Jan

Klappentext
In Schrobenheim, einer typischen deutschen Kleinstadt, geschieht ein Mord. Aufsehenerregend vor allem deswegen, da bereits die erste Ehefrau versucht hat, ihren Mann vom Leben zum Tod zu befördern. Verdächtigt wird Ehefrau Nummer Maiglöckchen2. Oder war es doch Nummer 1? Oder jemand ganz anderes?
In diesem nicht ganz ernst zu nehmenden Krimi werden Spießbürgerlichkeit und kleinkariertes Denken aufs Korn genommen und nebenbei ein nicht alltäglicher Mord aufgeklärt.

Meinung und Fazit
Nachdem ich das Buch gelesen hatte, war ich zunächst recht ernüchtert.
Schonmal vorweg: Ich bin mir nicht ganz sicher, wie man das Genre „Krimi“ oder „Krimisatire“ genau definiert, aber dieses Buch war für mich ein Gesellschaftsroman, der höchstens ein paar Krimispuren erkennen lies.
Anfangs ging es noch recht viel versprechend mit einem Mordfall los. Danach erlebt man das Leben des Toten im Rückblick. Das fand ich in Ordnung, aber ich wusste zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht, dass diese Rückblende den Rest der Romanhandlung bestimmen würde. Erst ganz zum Schluss wird es noch mal „kriminell“, wobei jedoch der ursprünglich Mord immer noch unaufgeklärt bleibt. Und das ist mein größter Kritikpunkt, denn dadurch hat die Geschichte nur einen Bruchteil dessen, was der Klappentext suggeriert. Lediglich die Spießbürgerlichkeiten und das gesellschaftliche Treiben kommen in allen Facetten zum Vorschein.
Nun muss ich der Autorin hierbei allerdings zu Gute halten, dass sie (vermutlich) nichts für den Klappentext kann. Da hätte der Verlag mehr bzw. etwas anderes schreiben müssen. Aber so fühlte ich mich in die Irre geführt.
Was das oben angesprochene gesellschaftliche Treiben angeht, hat die Autorin gut gearbeitet. Alles ist reichlich überspitzt dargestellt, doch das hatte ich dem Klappentext zufolge auch nicht anders erwartet. So traf ich auf neugierzerfressene Nachbarn, Tratschtanten, schwarze Schafe und dergleichen mehr. Die Personen wurden im überwiegenden gut dargestellt, aber für meinen Geschmack waren es zu Viele. Hinzu kam, dass ich bis zum Schluss nicht wirklich wusste was ich von Barbara, eine der Hauptfiguren und Frau des Toten, halten sollte. Ihre spirituellen Neigungen und ihr ruhiges, fast devotes Wesen standen im krassen Gegensatz zu der gradlinigen Frau, die ich zwischendurch und besonders am Ende erlebte. Ich bekam weder in der einen, noch in der anderen Phase einen Zugang zu ihr. Allerdings habe ich ihr die Entwicklung trotzdem gegönnt.
Die Verknüpfungen der restlichen Bewohner untereinander (Wer, mit wem und warum) waren zumeist recht schlüssig, trotzdem hatte ich den Eindruck, dass sich die Autorin hier und da zu sehr in Einzelheiten verstrickte.
Der Kriminalteil, der fast am Ende nochmal zum Vorschein kam, war ganz nett zu lesen, zumal ich damit garnicht mehr gerechnet hatte. Leider konnte er den Gesamteindruck nicht mehr deutlich heben, was aber auch an dem schon angesprochenen, recht unbefriedigenden Ende lag.

Nicht schlecht, aber leider ganz anders als erwartet.

Die Autorin
Heidrun Böhm, geboren 4.10.1953 in Albstadt, war Mitglied der Autorengruppe Zimmerer in Albstadt. In Zusammenarbeit mit der Autorengruppe, Lesungen, Veröffentlichung von, und in Anthologien. Die meisten ihrer Geschichten und Gedichte sind aus Alltagserlebnissen entstanden.

Es ist nicht zu bestreiten, sie ist gebrandmarkt. Jeden Tag sitzt sie am Computer und schreibt. Das Schreiben mit den Fingern in den Staub auf der Tischplatte gehört zu ihren Gewohnheiten. Nur manchmal ist sie ansprechbar. Auf ihrem Speiseplan stehen Buchstabensuppe und russisch Brot. Beim fegen im Keller formen sich Buchstaben aus Kohlenstaub. Ihr Haushalt wird vernachlässigt. Füll und Unwörter bestimmen ihren Alltag. Mit ihrem Mann redet sie in Methapern. Der Arzt sagt, diese Krankheit sei unheilbar, Hypnose nütze nichts. Nach ausführlichen Recherchen im Internet wurde ihr klar, dass sie ein Virus befallen hat. Er nennt sich „Schriftstellervirus.“

Heidruns Entschluss, diesen Virus zu akzeptieren steht fest. Wenn sie ihn ignoriert, wird er aufdringlich. Sie wird ihre Gewohnheiten nicht ändern, und weiterhin versuchen, ihren Lesern mit Kurzgeschichten und Gedichten den Alltag zu verschönern. (Quelle: verlagshaus el Gato)
Mehr über die Autorin unter http://heidrun-diegedankensindfrei.blogspot.de/

Buchdaten
Format: Taschenbuch
Seiten: 190
Verlag: el Gato, Verlagshaus; Auflage: 1. (2. Mai 2012)
ISBN-10: 3943596052

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2 Kommentare

Verfasst von - 21/01/2013 in Bücher, Rezension

 

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2 Antworten zu “[Rezension] „Der Duft der Maiglöckchen“, Heidrun Böhm (Verlagshaus el Gato)

  1. Heidrun Böhm

    25/04/2013 at 18:48

    Liebe TaGe
    Ich danke Ihnen für die ausführiche Rezension, und die (fast) genaue Inhaltsangabe meines Buches. Leider muss ich etwas korrigieren: Caroline ist nicht die Frau des Toten. Diese Frau heisst Barbara! Im übrigen ist die Geschichte absichtlich von mir so angelegt, dass es möglich ist, eine Fortsetzung zu schreiben. Dass der Zugang zu Barbara für (manche) Leser schwierig ist, kann ich verstehen. Ihren Charakter habe ich aus den oben angegebenen Gründen so geschaffen. Der Klappentext an sich kann nichts suggerieren. Es gibt keine Klappen in diesem Buch. LG: Heidrun Böhm

     
    • lesenundmehr

      25/04/2013 at 22:41

      Sehr geehrte Frau Böhm ! Danke für die Richtigstellung, da ist mir wohl ein Fehler unterlaufen. Ich habe das verbessert…
      Mit „Klappentext“ ist die kurze Inhaltsangabe auf der Buchrückseite gemeint. Ich weiß, dass dieser Ausdruck nicht ganz passend ist, jedoch hat sich bisher noch nie Jemand daran gestört. Andere bezeichnen es als „Waschzettel“, wobei ich persönlich das noch unzutreffender finde. Daher habe ich erstere Bezeichnung gewählt.

       

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