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[Rezension] „Leben im Käfig“ von Raik Thorstad (Kindle Edition)

11 Aug

Inhalt
„Von seinen neunzehn Lebensjahren hat Andreas von Winterfeld die Hälfte im Haus seiner Eltern verbracht. Die Fesseln, die ihn halten, sind psychischer Natur. Er leidet unter einer schweren Form von Agoraphobie, die in Ermangelung einer Behandlung zunehmend an Tiefe gewinnt. Die lange Isolation und die unglücklichen Familienumstände haben ihn zu einem Aussenseiter gemacht – und zu jemandem, der sich kaum mit Menschen auskennt. Dass er schwul ist, ist fast sein kleinstes Problem, auch wenn er sich seinen von der Arbeit zerfressenen Eltern nicht anvertraut hat. In diese Anti-Idylle aus Privatunterricht, Einsamkeit und Langeweile platzt Sascha, der gerade erst nach Hamburg gezogen ist. Grund dafür sind gewisse Auseinandersetzungen mit seinen Eltern – und die Tatsache, dass er sich mit einem Schulfreund in flagranti auf Papas Couch hat erwischen lassen. Zwei junge Männer, die das Leben noch nicht recht am Schopf gepackt haben, aber eines mit Sicherheit wissen: Sie sind schwul und sie sind allein – jeder auf seine eigene Weise.“

Meinung und Fazit
Direkt am Anfang lernen wir einen Ausschnitt aus dem Leben der beiden Protagonisten kennen. Schon hier machte sich ein leicht beklemmendes Gefühl breit, denn beide haben es nicht leicht.
Im Verlauf der Geschichte lernen wir Andreas und Sascha näher kennen. Die beiden Protas sind sehr plastisch, authentisch und sympathisch. Jeder auf andere Art und Weise. Die Handlung, die um sie herum aufgebaut wurde, wirkt echt. Sie ließ mich manchmal sprachlos, deprimiert, aber auch hier und da zuversichtlich zurück.
Besonders Andreas´ Schicksal bewegte mich. Ich fand sein Lebensumfeld und den Umgang mit seiner Krankheit sehr interessant und überwiegend authentisch dargestellt. Bei aller Sympathie erschien mir jedoch sein Denken und Handeln manchmal unverständlich. Ich stellte mir mehr als einmal die Frage, wie er seine Situation 19Jahre einfach so hinnehmen konnte. Auch das Verhalten seiner Eltern konnte ich nicht nachvollziehen. Doch trotz dieses Unverständnisses kann ich mir vorstellen dass es Menschen gibt, die sich irgendwann mit ihrer Situation abfinden.
Auch Saschas´ Leben fesselte mich. Hier schwang jedoch weniger Mitgefühl mit, als vielmehr eine zustimmende Sympathie. Er weiß in der Regel was er will, hat Mut und Rückgrat. Dass er manchmal einen Schubs in die richtige Richtung brauchte, schrieb ich überwiegend seinem Alter zu. Aber auch dadurch wirkte der Roman „echt“.
Der Kern des Buches lebt von der Beziehung zwischen den Protas. Hier spielt auch die erste wahre Liebe eine große Rolle. Sehr authentisch und einfühlsam wird die Annäherung der Beiden beschrieben. Ebenso zart und gefühlvoll geht der Autor bei den erotischen Szenen vor. Das hat mir sehr gefallen.
Das Ende war erwartet und unerwartet zugleich. Bei Sascha war es für mich eine logische Konsequenz, die sehr für ihn sprach. Andreas´ Reaktion am Ende ließ mich hoffend zurück. Zwei positive Wenden mit etwas Wehmut, mit denen so nicht unbedingt zu rechnen war.

Dies war mein erster homoerotischer Roman, und er überraschte mich positiv. Ein tolles Buch mit Tiefgang und ausdrucksstarken Charakteren, dass weit aus mehr bietet als nur Gay-Romance.

Der Autor
Wer ist Raik Thorstad – oder auch Tasmanian Devil? Gute Frage. Ein Nordlicht, das zwischen seinen Leidenschaften Schreiben und Musik (gelernter Musikalienhändler und Mitarbeiter diverser Musikmagazine) hin- und herpendelt, und sich unlängst für die Feder entschieden hat. Allerdings nicht für ein festes Genre. Psychologie, Historie, Endzeit, Fantasy. Warum sich Grenzen setzen? Im September 2011 erscheint der erste Roman „Leben im Käfig“ hier beim FWZ-Verlag. Der Autorenblog: http://www.raikthorstad.blogspot.com (Quelle: amazon)

 
 

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