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[Rezension] „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ von Rachel Joyce (Krüger)

06 Jun

Inhalt
Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht er 1000 Kilometer zu Fuß.
Ein unvergesslicher Roman, der die ganze Welt erobert.
»Ich bin auf dem Weg. Du musst nur durchhalten. Ich werde Dich retten, Du wirst schon sehen. Ich werde laufen, und Du wirst leben.«
Harold Fry will nur kurz einen Brief einwerfen an seine frühere Kollegin Queenie Hennessy, die im Sterben liegt. Doch dann läuft er am Briefkasten vorbei und auch am Postamt, aus der Stadt hinaus und immer weiter, 87 Tage, 1000 Kilometer. Zu Fuß von Südengland bis an die schottische Grenze zu Queenies Hospiz. Eine Reise, die er jeden Tag neu beginnen muss. Für Queenie. Für seine Frau Maureen. Für seinen Sohn David. Für sich selbst. Und für uns alle.

Ein ganz außergewöhnlicher und tief berührender Roman – über Geheimnisse, besondere Momente und zufällige Begegnungen, die uns von Grund auf verändern. Über Tapferkeit und Betrug, Liebe und Loyalität und ein ganz unscheinbares Paar Segelschuhe.

Meinung und Fazit
Was ein einfacher Brief alles auslösen kann….
Der Leser begibt sich mit Harold Fry auf eine Reise quer durch England. Doch was für Harold als Pilgerreise begann wurde sehr schnell auch eine Reise zu sich selbst.
Sehr bildhaft wird seine Wanderung beschrieben. Nicht nur die Umgebung ist sehr plastisch, sondern vor allem lässt die Autorin den Leser an Harolds Anstrengungen und Leid teilhaben. Alles ist glaubhaft und nachvollziehbar, und man bewundert das Durchhaltevermögen, welches Harold trotz diverser Blessuren an den Tag legt.
Auf seiner Reise begegnet er vielen Menschen, die ihm und seiner Mission größtenteils bewundernd gegenüberstehen. Sie erzählen Harold ihre Geschichten, die oft sehr rührselig daherkommen. Interessant waren sie auf die eine oder andere Art immer, manchmal sogar lehrreich und animierten den Leser dadurch zum Nachdenken über das eigene Leben.
Im Verlauf der Geschichte bleibt Harold nicht allein. Immer wieder schließen sich Menschen seiner Mission an. An dieser Stelle fühlte ich mich ein wenig an „Forrest Gump“ erinnert. Auch Forrest fängt an zu laufen und findet sich plötzlich in einer Heerschar Leute wieder, mit denen ihn nichts Bleibendes verbindet. Doch das zu begreifen dauert…
Welcher Leser bisher noch nicht berührt war, der fing spätestens hier an die Emotionen nachempfinden zu können. Was vorher schon Bruchstückhaft in den bisherigen Gesprächen geschah wurde jetzt vertieft: Harold lässt sein eigenes Leben revue passieren. Ihm wird bewusst, was evtl. falsch gelaufen ist. Er beginnt zu verstehen, doch ändern kann er es nicht mehr, er kann nur versuchen es zu verarbeiten. Sehr interessant sind auch die eingeflochtenen Abschnitte von Harolds Frau. Durch seine Abwesenheit hat sie viel Zeit und denkt sehr intensiv nach. Sie lässt die Fassade fallen und auch ihre Vergangenheit zieht an ihr vorüber. Beide erkennen, dass nicht immer alles so war wie man es in Erinnerung hat. Dadurch werden Streitpunkte haltlos und Differenzen überbrückbar, aber kann man festgefahrene Strukturen einfach so aufheben?

Der angenehme, gefühlvolle Schreibstil unterstreicht den Inhalt, denn dies ist ein Buch, welches durch leise Töne besticht. Wer sich auf zwischenmenschliche Beziehungen und Probleme einlassen kann, dem wird das Buch vermutlich sehr gefallen.

Die Autorin
Rachel Joyce weiß, wie man Menschen mit Worten ganz direkt berührt. Die Autorin hat über 20 Original-Hörspiele für die BBC verfasst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Daneben hat sie Stoffe fürs Fernsehen bearbeitet und auch selbst als Schauspielerin für Theater und Film gearbeitet. ›Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry‹ ist ihr erster Roman. Er erscheint in über 30 Ländern auf der ganzen Welt. Rachel Joyce lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Gloucestershire auf dem Land.

Buchdaten:

  • Seiten: 384
  • Ausgabe: Geb. mit SU
  • Verlag: Krüger
  • ISBN: 978-3-8105-1079-2
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Verfasst von - 06/06/2012 in Rezension

 

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