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[Rezension] „Das kaputte Knie Gottes“ von Marc Degens (Knaus)

02 Nov

Klappentext
Ein urkomischer Roman über das Scheitern und Verspießern, über Freundschaft und Verrat.

Dennis und Mark, aufgewachsen im Ruhrpott zwischen Bochum und Gelsenkirchen, sind Freunde seit der Schulzeit. Früh entdeckt Dennis seine Leidenschaft für die Darstellung von Gliedmaßen in Beton und nennt sich freischaffender Künstler. Er jobbt nachts im Pornokino und lernt beim Schnüren der Beine von Masthähnchen die Liebe seines Lebens kennen. Mark hingegen genießt die Freiheiten des Studentenlebens und lässt sich treiben. Während er zwischen Schriftstellerkarriere und gesicherter Lehrerzukunft hin und her schwankt, leidet Dennis an allen Fronten. Weder seine große Liebe Lily noch die Kunst sind ihm hold. Aber dann passiert die Sache mit den Betonblumen und dem katastrophalen Fernsehbeitrag über seine erste Ausstellung – und seine überdimensionalen Plastiken verändern sein Leben radikal.

Das kaputte Knie Gottes ist ein Roman über verrückte Zufälle, hochfliegende Pläne und harte Landungen in der Realität, über Freundschaft, Entfremdung und Verrat, über Wandlung und Erwachsenwerden. Mit feiner Ironie und schwarzem Humor erzählt Marc Degens von Mark, Dennis und Lily und von jenem Wahnsinn, der uns hartnäckig als Alltag verkauft wird, aber eigentlich eine einzige Zumutung ist.

Meinung und Fazit
Eine Geschichte mitten aus dem Ruhrgebiet. Das war es, was mich zunächst sehr angesprochen hat. Zudem stellte sich schnell heraus, dass der Roman sehr realistisch gehalten und trotzdem (oder gerade deshalb) mit viel Witz versehen ist.

Das Cover ist schlicht gehalten und lässt viel Interpretationsspielraum. Ebenso das Spiel mit den Namen: Mark Dennis vs. Marc Degens. Ob zufällig oder nicht, manchmal sind es auch die Kleinigkeiten, an denen ich mich erfreuen kann.

Im wesentlichen ist dies die fiktive, autobiographische Geschichte von Mark, sie handelt von Freundschaft, Liebe, Ich-Findung und den Zufällen, die täglich das Leben begleiten. Es geht um jenen „…Wahnsinn, der uns hartnäckig als Alltag verkauft wird…“, wie es auf dem Klappentext heißt. Und das trifft es sehr genau.
Mit den (Haupt-) Protagonisten Mark, Dennis und Lily hat der Autor drei sehr unterschiedliche Figuren geschaffen. Jede auf besondere Weise überaus sympathisch und authentisch, wenn auch manchmal etwas schräg und klischeehaft. Damit passen sie sich allerdings sehr gut in die manchmal recht skurrile Geschichte ein, so dass alles abgerundet wirkt.

Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Freundschaft des Lehramtsstudenten Mark zu seinem Kumpel Dennis, einem nicht gerade erfolgreichen Beton-Bildhauer, gelenkt. (Eine seiner überdimensionalen Beton-Plastiken war auch Namensgeber des Romans.) Ihre Beziehung zueinander ist nicht immer ganz unproblematisch. Trotzdem bleibt Mark ihm stets ein treuer Freund und muss leider letztlich doch erkennen, dass er sich in Dennis getäuscht hat. Daher auch der Anfangssatz „Ich habe dieses Buch nicht geschrieben um mich an Dennis zu rächen. Aber verzeihen kann ich ihm auch nicht.“ Nach lesen des Buches erschien mir das plausibel. Auch hier war der Roman sehr schlüssig. Menschliche Wege kreuzen und spalten sich zuweilen in ebensolchem Tempo, wie sich der Mensch weiter entwickelt.

Die Protagonisten hätten in ihrer bildlichen Beschreibung zwar etwas plastischer sein können, und ich hätte gerne noch mehr über die Kunstszene gelesen, aber auch so war „Das kaputte Knie Gottes“ unterhaltsam und überwiegend kurzweilig. Besondere Situationskomik lieferten dabei nicht zuletzt Dennis´ ungewöhnliche Beton-Plastiken. Ein lesenswerter Roman, der sowohl laute, skurrile als auch leise, nachdenkliche Töne anstimmt.

Der Autor
Marc Degens, geboren am 18. August 1971 in Essen, lebt als Schriftsteller in Bonn. Er schreibt Romane, Erzählungen, Aufsätze, Kolumnen und Gedichte.

Nach dem Abitur begann er ein Studium der Germanistik und Soziologie an der Ruhr-Universität Bochum, das er 1999 als Magister Artium (M.A.) abschloß. Bereits vor und während seines Studiums veröffentlichte er literarische, journalistische und wissenschaftliche Arbeiten. Sein erster Gedichtband „Farben und Formen“ erschien 1993, sein erster Roman „Vanity Love“ 1997.

Über 100 Veröffentlichungen in der F.A.Z., Texte von ihm wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2000 veröffentlichte das Feuilleton der F.A.Z. in 18 Folgen seine Erzählung „Rückbau“, ebendort erschien von 2001 bis 2002 seine Romankolumne „Unsere Popmoderne“. Neue Folgen von „Unsere Popmoderne“ erscheinen seit 2005 in der Literaturzeitschrift „Volltext“.

Marc Degens ist Herausgeber und Literaturredakteur des Online-Feuilletons „satt.org“ und veröffentlicht Aufsätze und Kritiken zur deutschsprachigen Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, über amerikanische und europäische Comics und zur Popkultur. Er ist Gründer und Programmleiter des SuKuLTuR Verlags und Herausgeber der Reihe „Schöner Lesen“, in der bislang 105 Lesehefte von in der Mehrzahl jungen deutschensprachigen Autoren erschienen sind und die seit 2004 in Süßwarenautomaten vornehmlich an Berliner S-Bahnhöfen vertrieben werden. Marc Degens hat den Debütroman „Strobo“ von Airen herausgegeben und teilweise lektoriert, der im Februar 2010 die Plagiatsaffäre um Helene Hegemanns Bestseller „Axolotl Roadkill“ auslöste.

Von 2007 bis 2010 lebte Marc Degens in Eriwan, Armenien. Zahlreiche Auftritte in Deutschland und im Ausland. Gemeinsam mit Torsten Franz und Frank Maleu erfand und moderiert er das Bühnenfeuilleton „Die Begeisterungs-Show“. Ein Ableger der „Begeisterungs-Show“ mit literarischem Schwerpunkt ist das Bühnenprogramm „Schöner Lesen“, mit dem er u.a. bereits in den Goethe-Instituten in Krakau und Bratislava gastierte. Im Auftrag der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Eriwan kuratierte er im Mai 2009 die Ausstellung „Neue deutsche Zeitungscomics“, für das Goethe-Institut Prag erfand und organisierte er unter dem Titel „Goethe-Automat“ im November 2010 eine Nacht der Literatur und der Comics.

Marc Degens war Mitglied der Musikgruppen „Stendal Blast“ und „Superschiff“. 2002 erhielt er ein sechsmonatiges Arbeitsstipendium der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, 2005 ein dreimonatiges Arbeitsstipendium der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in der Villa Decius in Krakau. 2010 war er im Rahmen des Projekts „Little Global Cities“ Stadtschreiber in Novi Sad, Serbien, 2011 wurde der SuKuLTuR Verlag mit dem V.O.Stomps-Förderpreis der Stadt Mainz für eine kleinverlegerische Leistung ausgezeichnet. [Stand: Juli 2011] (Quelle: www.marcdegens.de)

academicworld hat mir dieses Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Dafür möchte mich recht herzlich bedanken ! 🙂

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