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[Rezension] „UNRECHT ZWEIER LIEBE“ – Roman einer traumhaften Einsamkeit von THOMAS GEORG (BoD)

01 Sep

Kann träumen süchtig machen? Spontan würde man diese Frage vermutlich verneinen, doch bei genauerer Überlegung fragt man sich „Warum nicht?“. Schließlich gibt es auch Fress-, Sport-, Spielsucht und dergleichen.

Amos, der Held meines zuletzt gelesenen Buches, liebte seine Träume so sehr, dass er darüber immer mehr die Realität vergas, sie sogar bewusst mit seinen Träumen verdrängte. Er war einsam, hoffnungslos, fühlte sich betrogen und wollte sich eine bessere Welt erträumen. Irgendwie konnte ich es ihm nicht verdenken. Doch lest selbst….

Klappentext
Dies ist die Geschichte eines jungen Verzweifelten, der sich durch das Verträumen stetig zurück in seine Kindheit begibt, sich ihr nähert. Dadurch nimmt er Abschied von der Wirklichkeit, die der sensible Amos, Goldschmied in Goldkirch, nicht mehr zu ertragen scheint. Amos entschlief und gab sich regungslos in der ihm zu ernst gewordenen Welt, stellte sich verloren. Er sah weder Licht noch Liebe, die er glaubte, nur im Schlaftraum finden zu können. Er sah sich bereits zwischen dem Jetzt und dem Jenseits. Um nach zwei gescheiterten Beziehungen seinem Leben einen Neuanfang zu schenken, glaubte er, Liebe im Traum herbeiführen zu können. Auf dieser erzählenden Entdeckungsreise trifft der vom Leben geschlagene Goldschmied wieder auf eine seiner gescheiterten Lieben, die er nochmals versucht im Traum in glücklicher Weise zu erleben.

Meinung und Fazit
Liest man den Klappentext und betrachtet dazu die Bilder, so ergeben sich schon hier reichlich Interpretationsmöglichkeiten. Das Cover finde ich sehr passend, auch wenn mir Amos etwas alt erscheint. Das Buchrückenbild kann man in mehrfacher Weise deuten, besonders nach dem Lesen des Buches. Auch dieses Bild, wie man es auch immer auslegen mag, fand ich sehr gut gewählt.

Der Schreibstil ist gehobener Natur und entstammt zum Teil der Kunstsprache. Dies macht sich unter anderem auch durch Wortkonstrukte wie „Traumtodliebtraum“ bemerkbar. Zudem mutet der Sprachstil altertümlich an, was ich in Anbetracht der Handlungsepoche sehr passend fand, und es entströmt ihm eine gewisse Poesie und Bildhaftigkeit.

Dieser Roman ist ein sehr nachdenkliches, oftmals beklemmendes Werk. Amos´ Leben ist seit der Kindheit in weiten Teilen von Einsamkeit und Gefühlskälte geprägt, was sehr eindrücklich geschildert wird.

„Drei grünnadeldicke Tannen bestehen vor unserem geschindelten Haus. Für mich waren sie als Kind meine Geschwister.“ (S.52) „Niemand hörte den heranwachsenden Jungen, der aus Leibeskräften seinen Kummer verschrie. Er wollte gehört werden, doch unerhörte Einsamkeit ist harte Kost.“ (S. 67)

Besonders gut in Bezug auf Amos´ Person fand ich, dass nicht nur seine Sicht der Dinge geschildert werden. Weitere Personen und ein „Erzähler“ werden in die Geschichte integriert und eröffnen andere Blickwinkel. Gut zur Geltung kamen hier Amos´ Onkel und seine Großmutter, einige andere Personen blieben sehr blass, weil sie weniger zur Gesamtgeschichte beizutragen haben. Bedauert habe ich diese fehlende Tiefe allerdings bei Millei und Dorothee, Amos´ Geliebten. Von ihnen und ihrem Verhältnis zu Amos hätte ich gerne noch mehr erfahren.

Amos nimmt erwarteter Weise den ungleich größten Raum ein. Dadurch wirkt er mit Abstand am greifbarsten, was seine Person und sein Gefühlsleben angeht. Die stark ausgelebte Flucht in eine Traumwelt konnte ich persönlich zwar nur schwer nachvollziehen, trotzdem wirkte die Geschichte erstaunlicher Weise nicht übermäßig konstruiert. Dem Autor gelang es, dass ich mich zumindest zu einem gewissen Grat in Amos hineinversetzen und mit ihm leiden konnte. Dies lag unter anderem an der schon angesprochenen poetischen und bildhaften Sprache, wobei Letztere zudem für eine gute Einbettung der Geschichte in ihre Umgebung sorgte.

Auch wenn mich das Buch angesprochen hat, so legt es doch auch einige Schwächen an den Tag.
Zur Einteilung des Buches muss ich sagen, dass mich die Chronologie etwas verwirrt hat, da sie manchmal schwer nachzuvollziehen war. Erst kommt der „Spätsommer 1935“, dann plötzlich „Frühling.März 1935“, gefolgt von (nur) „Frühling 1935“. Sollte es daran liegen, dass Amos zwischendurch geträumt hat, so war das, trotz mehrmaligen Lesens einiger Stellen nicht zu ersehen. Hinzu kommen die Ungereimtheiten über Amos´ Geburt in Bezug auf den Tod der Eltern. Amos wurde 1918 geboren, und 1935 wollten seine Eltern Goldhochzeit feiern… auch das erscheint mir fehlerhaft.

Sehr positiv zur Kenntnis genommen habe ich die Auflistung der Romanfiguren, da dies eine gute Übersicht auch dann gewährleistet, wenn manche Personen im weiteren Geschichtsverlauf nur noch kurz erwähnt werden.

Abschließend kann ich sagen, dass dies sicherlich ein Buch ist, welches die Gemüter spalten dürfte. Mich hat es allerdings sehr angesprochen, da es weit ab vom Mainstream angesiedelt und sehr ansprechend geschrieben ist. Die Idee „Traum als Sucht“ ist neu und gut in eine sehr nachdenklich stimmende Geschichte eingebettet. Bei aller Kritik muss ich dem Autor zu Gute halten, dass der Lektor die angesprochenen Ungereimtheiten hätte aufdecken müssen. Das Buch ist für mich trotz allem lesenswert.

Der Autor
geboren am 29. Oktober 1971 in Bludenz, Vorarlberg.
Der in Schlins bei Feldkirch (Vorarlberg/Westösterreich) lebende Autor studierte in Wien Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Theaterwissenschaft und Soziologie. Thomas Müller (bürgerlicher Name) arbeitete neben seinem Studium in Wien als Regie-Assistent und in verschiedenen Projekten.

Mein herzlicher Dank gilt dem Autor Thomas Georg, der mir das Buch zur
Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Mehr über ihn erfahrt ihr unter www.thomasgeorg.com
Buchbestellung am Schnellsten hier: buchbestellung@thomasgeorg.com

 
 

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