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[Rezension] „Böser Mann“, Franz Xaver Roth (Albrecht Knaus Verlag)

23 Aug

Inhalt
Mord in Leuterding. Der Wirt vom Hammer-Eck ermittelt

Samstagabend im „Hammer-Eck“, wie immer sind alle da: die trinkfesten Gäste, der wortkarge Wirt Luginger, die schnippische Bedienung Moni und Sammy, der schwarze Koch. Alles scheint in bester Ordnung. Aber drei Tote, ein defekter Pickup, dubiose Baupläne und seine renitente alte Mutter bringen Luginger ins Schwitzen, Sammy unter verschärften Mordverdacht und einige Bewohner des Münchner Vororts um den Schlaf.

Leuterding liegt idyllisch irgendwo im Speckgürtel von München, dort, wo die Welt noch in Ordnung ist und alles seinen festen Platz hat. Bis zu der Freitagnacht, in der ein Lehrer des örtlichen Gymnasiums überfahren wird. Unfall oder Mord? Jedenfalls taucht anderntags Kommissarin Clara Weibel im »Hammer-Eck« auf und fragt nach dem Alibi von Sammy, dem schwarzen Koch. Der soll ein Verhältnis mit der Frau des Toten gehabt haben. Nicht nur Luginger wittert da Rassismus und legt für Sammy die Hand ins verdammt heiße Feuer. Doch als in derselben Woche zwei weitere Tote gefunden werden und jedes Mal Sammy zur Tatzeit in der Nähe war, bleibt dem Wirt keine Wahl: Er muss tief im Leuterdinger Dreck wühlen. Dabei hätte er nur besser auf seine alte Mutter hören sollen.

Meinung und Fazit
Das scheint ja ein nettes Örtchen zu sein, dieses Leuterding. Drei Morde in einer Woche sind wirklich aller Ehren wert.
Der Autor hat sich eine wirklich gute Geschichte einfallen lassen und mich positiv überrascht.
Sein Schreibstil wirkt locker und leicht. Er ist mit einem gewissen Witz versehen, der mal ironisch und mal sehr trocken anmutet, doch es gibt auch Stellen, die ernsthafter behandelt werden und nachdenklich stimmen. Mundartliche Begriffe sind natürlich bei einem bayrischen Provinzkrimi ein Muss. Sie wurden aber wohl dosiert und gut verständlich eingebaut. Außerdem verleihen sie dem Roman einen gewissen Charme.
Die Zahl der Handlungsorte ist überschaubar und alle sind so gut und detailreich beschrieben, dass nie Orientierungsschwierigkeiten auftraten. Die Atmosphäre, die von den einzelnen Orten, als auch von der Handlung selbst ausging, war nahezu greifbar.
Besonders gut hat mir der gesellschaftliche Querschnitt gefallen. Alle Personen erscheinen wunderbar plastisch und authentisch. Allen voran natürlich der Hammer-Eck-Wirt Luginger, der auch direkt zum Hilfs-Kommissar wider Willen ernannt wurde. Daneben findet man einen bunten Strauß an Angestellten, Stammgästen, Halbkriminellen und Klatschtanten, es geht um Hilfsbereitschaft, Liebe, Seitensprünge, Erpressung, Drogen, Prostitution und dergleichen mehr.
Abgesehen vom Wirt Luginger, war ich vornehmlich von drei Personen sehr angetan. Zum einen von dem Afrikaner Sammy, der auch direkt als Hauptverdächtiger gilt, und Lugingers Mutter, die zwar gebrechlich erscheint, jedoch geistig voll auf der Höhe ist und sich als Miss Marple betätigt. Beiden Charakteren wird relativ viel Raum gegönnt und es wird so manches Klischee offen gelegt, als auch widerlegt. Besonders gut fand ich in diesem Zusammenhang die Darstellung der Diskrepanz dessen, was „vorne gesagt, und hinten gedacht“ wird. Auch wenn diese Vorurteile mit einem leichten Augenzwinkern behandelt wurden.
Die dritte Person ist die Kommissarin Clara Weibel, die mit der Aufklärung des Falles betraut wurde. Doch auch wenn ich sie als Person mochte, schien mir hier manches leider nicht ganz schlüssig. Sie nimmt Aussagen der vermeintlichen Zeugen und Bewohner mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit auf, auch wenn sie weiß, dass Diese nicht oder nur zum Teil der Wahrheit entsprechen können. Als sich Sammy nach München absetzt hätte ich zudem erwartet, dass sie den Hauptverdächtigen jetzt vermutlich wegen Fluchtgefahr in U-haft nimmt, doch nichts geschieht. Sie zeigt ohnehin eine große Toleranz in manchen Dingen, die ich nicht unbedingt nur der Tatsache zuschreiben kann, dass sie über große Erfahrung verfügt. Ich gebe allerdings gerne zu, dass ich auf diesem Gebiet keine weitreichende Kenntnis habe. Somit mag dieses Vorgehen durchaus gerechtfertigt sein, auch wenn es mir befremdlich vor kam.

Wer einen „reinen“ Krimi erwartet, der evtl. auch noch gewaltbetont sein sollte, der wird enttäuscht sein. „Böser Mann“ ist für meine Begriffe ein gut gemachter Gesellschaftsroman mit kriminalistischem Hintergrund und unerwarteten Wendungen. Ich fühlte mich gut unterhalten, lediglich die Spannungsbögen hätten gerne etwas dauerhafter sein können.

Der Autor
Franz Xaver Roth ist das Pseudonym eines Münchner Büchermenschen, der mit wunderbar leichter Feder das Vorort-Soziotop der Großstadt treffend porträtiert. Dass er dafür das Genre des Kriminalromans benützt, macht seinen Roman nicht nur unterhaltsam, sondern auch spannend. Roth lebt mit Frau und zwei Kindern in Leuterding – wo denn sonst? (Quelle: Knaus)

Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars bedanke ich mich sehr herzlich bei academicworld 🙂

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