Interview mit Rebekka Pax zu ihrem Roman „Septemberblut“

Hallo Rebekka ! Es freut mich, dass Du Dir Zeit für ein Interview nimmst.

Das mache ich doch gern.

Während Deines Studiums in Bochum hast Du Drehbuch- und Storyboard-Seminare belegt. Hegtest Du da schon den Wunsch später (Dreh-)Bücher schreiben zu wollen ?

Es war eher andersherum. Ich habe erst neben dem Studium begonnen als Drehbuchlektorin zu arbeiten und auch eigene Sachen zu schreiben. Als dann entsprechende Kurse angeboten wurden habe ich die Chance ergriffen um mich weiterzubilden.

Warum hat es Dich nach Amerika verschlagen ?

Nachdem ich begonnen hatte, Drehbücher zu schreiben, wollte ich wissen ob ich das wirklich will. Schreiben anstelle von Archäologie, das was ich eigentlich studiert hatte. Die Filmindustrie ist alles andere als ein angenehmes Geschäft. Ich entschloss mich also zu einem Praktikum in LA um die Realität kennenzulernen. Nach einigen Monaten und noch mehr Abenteuern, war mir klar: das will ich. Jahre später fand ich dann zu den Romanen. Die Liebe für LA ist jedoch geblieben.

Was hast Du aus dieser Zeit mitgenommen ?

Wie wenig man zum Leben braucht um glücklich zu sein. Ich habe monatelang aus einem kleinen Koffer gelebt und mit drei anderen Menschen, die den gleichen Traum hatten, ein winziges Zimmer eines Hostels am Hollywood Boulevard geteilt.
Los Angeles hat einen besonderen Zauber, aber wo viel Licht ist, gibt es auch viel Schatten und die Schatten in dieser Stadt sind besonders dunkel.
Ich habe viel gelernt, vor allem wie man schreibt und plottet. Ein Produzent, mein damaliger Boss, mit dem ich Stoffe entwickelte, hat sehr eng mit mir zusammen gearbeitet und war alles andere als sparsam mit Kritik.

Wann kamen die Wünsche auf, dass Du Dein erstes Buch schreiben und Dich als Autorin selbstständig machen wolltest?

Von meiner Kreativität leben, wie auch immer die geartet war, wollte ich schon immer. Da ich bei Drehbüchern nicht die Freiheit fand, die ich suchte, war der Weg zum Roman absehbar. Septemberblut schrieb ich 2008. Die Story wuchs auch einer Kurzgeschichte.

Was inspiriert Dich und wie findest Du Deine Ideen ?

Meistens finden die Ideen mich. Sehr inspirierend sind allerdings Orte und Menschen. Gerade jetzt, während ich dieses Interview schreibe sitze ich in einem kleinen Appartement in Koreatown, einem Stadtteil von Los Angeles. Derzeit treffe ich mich sehr viel mit indianischen Künstlern und Schauspielern. Eine wunderbare Gemeinschaft und beeindruckende Menschen, die es aus den allerärmsten Verhältnissen (sogar Obdachlosigkeit), gegen alle Widrigkeiten und den Rassismus, der gegen Indianer leider immer noch an der Tagesordnung ist, geschafft haben. Meine Romanfigur hat zum Beispiel optisch einige Ähnlichkeiten mit dem jüngeren Rick Mora.

Dein Buch „Septemberblut“ spielt in der vampirischen Unterwelt. Warum hast Du grade dieses Genre/ diese Spezies gewählt ?

Zu dem Zeitpunkt als die Idee entstand habe ich selber kaum Urban Fantasy gelesen, geschweige denn geschrieben. Die Kurzgeschichte um einen Vampir war ein Experiment und Julius ein Charakter dem ich nicht widerstehen konnte. Er wollte ein Buch, also schrieb ich :)

Die Charaktere entsprechen nicht dem typischen Mainstream. Z.B. ist Julius nicht der machohafte Alleskönner, Amber ist eine starke Frau, die sich zu behaupten weiß und Brandon ist Indianer. Was bewog Dich dazu, grade solche Persönlichkeiten zu schaffen ?

Ich wollte einen romantischen Helden, nicht im Sinne von Romance sondern aus dem Zeitalter der Romantik. Melancholisch, innerlich Zerrissen, emotional und mit der Welt uneins. Julius stammt aus dieser Zeit und hat sich nicht allzusehr verändert. Diese Eigenschaften mit einem Killer zu kombinieren, was er zweifelsohne ist, machte für mich den besonderen Reiz aus.

Amber wuchs als natürlicher Gegenpart heran. Ich wollte keine Überfrau. Keine revolverschwingende Heldin mit großer Klappe, sondern eine ganz normale Frau, die in einem emotional extremen Zustand nach Halt sucht und nicht nur im positiven Sinne weit mehr findet als sie erwartet. Sie wird einige Zeit brauchen in ihre neue Rolle hineinzuwachsen.

Brandon ist ein Fall für sich. Eigentlich sollte er nur eine Randfigur sein, aber manche Charaktere geben sich damit nicht zufrieden. Mein nächster Roman „Flammenmond“ dreht sich um sein Schicksal. Die intensiven Recherchen zu seiner Backstory haben mir die Wüste Arizonas und viele Menschen näher gebracht und führten nun dazu, dass ich einen historischen Roman schreiben werde der das Schicksal der Ureinwohner Amerikas thematisiert – das hätte ich nie erwartet. Ich bin Brandon dankbar, so merkwürdig wie es klingen mag.

Im Roman geht es darüber hinaus auch okkult zu. Wie kamst Du darauf, diese Praktiken einzubauen?
Aus der Not heraus. Das Buch beginnt mit Frederiks Tod. Aber ich brauchte ihn als Figur noch. In diesem Genre ist es möglich ihn zurückzuholen und Voodoo hat mich schon immer fasziniert.

Septemberblut ist der Auftakt einer Trilogie. Verrätst Du mir ein wenig davon, wie es weiter geht ?

Flammenmond, so der Titel des nächsten Teils.

In Flammenmond wird Brandon von Seiner schrecklichen Vergangenheit eingeholt. Sein alter sadistischer Meister entführt ihn. Julius, Amber und Christina setzen alles daran ihn zurückzuholen und Julius ist bereit fast jeden Preis zu zahlen um Brandon zu retten. Seine Beziehung zu Amber wird auf eine harte Probe gestellt. Die Spur führt tief in die Wüste. Ein alter Schamane und indianische Rituale werden eine zentrale Rolle spielen.

An welchen Projekten arbeitest Du zur Zeit noch ?

Ich schreibe an einem historischen Roman über Neuseeland und entwickle die Geschichte, bzw recherchiere für einen ebenfalls historischen Roman über Amerika in dem ich wie oben erwähnt intensiver auf indianische Themen eingehen werde.

Was wünscht Du Dir und dem Fantasy-Genre für die Zukunft ?

Mir wünsche ich ein Publikum für die Themen zu finden, die mich selbst berühren und mit diesen zu begeistern. Im Fantasy Genre steckt wahnsinnig viel Potential, es ist grenzenlos. Gerade das macht es perfekt um auch aktuelle, gesellschaftliche Themen aufzugreifen und ohne den Unterhaltungswert zu schmälern. Ich wünsche mir mehr Mut, bei Autoren aber vor allem den Verlagen.

Welchen Schriftsteller/ welche Schriftstellerin würdest Du gerne persönlich kennen lernen und warum ?

Da gibt es keinen speziellen. Ich treffe gerne kreativ arbeitende Menschen und tausche mich aus.

Zum Abschluss eine ungewöhnliche Frage:
Gibt es etwas, was Du schon immer mal im Interview sagen wolltest, aber bisher hat Dich keiner danach gefragt ?

Bislang nicht :-)

Ich danke Dir ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir für Deinen weiteren Weg alles Gute.

Ich danke für das interessante Interview und die guten Wünsche.

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