„Alles ganz Isi: Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene“ von Alva Gehrmann (dtv premium)

Inhalt

Sie essen Blutwursttorten und vergammelten Hai, wählen einen Komiker zum Bürgermeister, stricken wollene Ganzkörperkleider und ihre bevorzugten Treffpunkte sind 40 Grad heiße Quellen. Zugegeben: Isländer sind ein wenig merkwürdig, aber auch liebenswert. Und man kann einiges von ihnen lernen. Schließlich sind sie Lebenskünstler und trauen sich, verrückte Ideen auszuprobieren.
Alva Gehrmann erzählt vom Alltag auf der einsamen Insel im Nordatlantik, der alles ist, nur nicht langweilig. Sie zeigt, wie sich Tatendrang und Kreativität ganz leicht im eigenen Leben umsetzen lassen – im Beruf, in der Familie, in der Liebe und beim Überwinden von großen oder kleinen Krisen.

Fazit

„Carpe diem“. Das war das erste was mir in den Sinn kam, nachdem ich die ersten Seiten gelesen hatte.
In 9 Themenbreiche unterteilt (z.B. Kreativität, Familie oder Krisen), wurden viele Geschichten zusammen getragen, die uns die isländische Lebensart nahebringen sollen. Sie sind lustiger, skurriler oder fast melancholisch anmutender Art, doch es finden sich auch die ernsten und banalen Kleinigkeiten, die das Leben bereichern. Alle Geschichten sind so interessant und anschaulich geschrieben, dass man einfach gerne weiter liest. Aufgelockert wird das Ganze durch diverse Bilder und hervorgehobene Besonderheiten, wie z.B. die „Initiativbewerbung auf isländische Art“ (Seite 100), die „Problembewältigung in drei Schritten“ (Seite 124) oder den „Bauplan für einen Hot Pot in der Badewanne“ (Seite 236). Nicht immer ganz ernst gemeint, aber sehr unterhaltsam und lustig.
Dies ist kein Reiseführer, wobei der aufmerksame Leser sicherlich den einen oder anderen Insidertipp finden wird. Dies ist ein Buch über die Menschen und ihre Lebenseinstellung.
Mochte man bisher noch der Meinung sein, dass die Süd-Europäer das Leben am entspanntesten sehen – man wird hier sicherlich eines besseren belehrt.
Isländer planen nicht gerne im voraus, sie sind stets für Veränderungen offen, spontan, gastfreundlich und vor allen Dingen: kreativ, lebenslustig und unkompliziert, dabei aber keinesfalls oberflächlich. Man findet u.a. viele ambitionierte Künstler, Musiker und Autoren auf der Insel. Einige davon sind mittlerweile auch bei uns bekannt.
Woher das alles rührt, ist schnell erklärt.
„In Island wird das Leben seit jeher in zwei Jahreszeiten unterteilt: den dreimonatigen Sommer und den Rest des Jahres“ (S. 103). „Wir müssen tatkräftig und erfinderisch sein, sonst würden wir in den langen Wintern vor Langeweile sterben“ (Helgi Björnsson, S. 19). „Wir haben den Mut, uns auch mal lächerlich zu machen“ (Halgrimur Helgason, S. 26).
(Fast) beneidenswert….

Ein sehr schönes, kurzweiliges Buch, das Lust macht den eigenen Lebensstil noch einmal zu überdenken. Nicht nur für Island-Fans sehr zu empfehlen !

Die Autorin

Alva Gehrmann, Jahrgang 1973, reist in die entlegenen Winkel Nordeuropas, um gesellschaftspolitische Geschichten und Reisereportagen zu schreiben. Sie erklärt, wie die Isländer durch die Krise ihre Natur neu entdecken, berichtet über den schwedischen Wohlfahrtsstaat und begleitete die lettische Präsidentin an Mittsommernacht.

Außerdem beschäftigt sie sich mit Medienthemen wie den Trends in der Comedyszene, gesellschaftlichen Zukunftsmodellen und erklärt jungen Lesern zum Beispiel, wo es heute noch Piraten gibt. Sie arbeitet u.a. für Tagesspiegel, Frankfurter Rundschau, DIE ZEIT, Financial Times, FAZ, Spiegel Online, Das Parlament, GEOSaison, mare, fluter.de und Deutsche Welle TV.

Gehrmann studierte Kunstgeschichte und Betriebswirtschaftslehre. Ihre journalistische Ausbildung hat sie an der Berliner Journalisten-Schule absolviert. Danach betreute sie gemeinsam mit Imke Rosebrock redaktionell die Politik-Erklärseite „Einmaleins“ der Frankfurter Rundschau; und war Textredakteurin bei GEOlino. Sie ist Co-Autorin des „Fischer Weltalmanach für Kinder“ und des Kindersachbuchs „Wem gehört die Antarktis?“ (Beltz & Gelberg).

Am 1. Juni 2011 ist bei dtv ihr Sachbuch “Alles ganz Isi – Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene” erschienen.

(Quelle: freieredaktion)

17 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. Trackback: Wirklich so isi ? « lesenundmehr
  2. Tatjana
    Sep 26, 2011 @ 15:35:10

    Scheint ja wirklich ein lustiges Völkchen zu sein… Wenn ich nächstes Jahr dort hin fliege, dann sollte ich das vielleicht vorher lesen, damit ich weiß was auf mich zukommt ;-)

    Antwort

  3. AnnaLena
    Sep 28, 2011 @ 13:11:36

    Hab das Buch auch gelesen, ist richtig witzig. Da ich keine Krimis oder so mag, aber auch keine (reinen) Sachbücher über Vulkane etc., war das genau richtig :-)
    Schöne Rezension !

    Antwort

  4. Uli
    Okt 02, 2011 @ 02:06:39

    Bei Recherchen zur Frankfurter Buchmesse bin ich zufällig bei Dir gelandet. Deine Rezension -> gefällt mir :-)

    Antwort

  5. Gaby Hochrainer
    Okt 02, 2011 @ 14:44:00

    Hört sich ja sehr gut an. Vielleicht bekomme ich ja hier Tipps für meinen nächsten Urlaub.
    Und die Rezi ist wirklich gut – macht Lust auf´s Lesen.

    Antwort

  6. tobi
    Okt 02, 2011 @ 23:01:22

    Schöne Rezension – und ein tolles Land…

    Antwort

  7. MikaelaGausM
    Okt 03, 2011 @ 01:10:20

    Ich liebe Island-Krimis…. Wenn Du da noch was lesen willst, dann versuch es auch mal mit Yrsa Sigurdardottir. Die Finde ich ja ganz toll ! Kann man natürlich mit Deinem rezensierten Buch nicht vergleichen, ist nunmal ein Krimi…
    LG
    Michi

    Antwort

    • lesenundmehr
      Okt 04, 2011 @ 09:22:38

      Momentan lese ich “Todeshauch” von Arnaldur Indriðason, und ich finde das Buch richtig gut. Yrsa Sigurdardottir habe ich auch noch auf dem SuB, die will auch noch gelesen werden. Nach Deinem Tipp umso lieber :-)

      Antwort

  8. Julia
    Okt 03, 2011 @ 12:05:27

    Das klingt echt cool!! :-)

    Antwort

  9. Jakobus
    Okt 04, 2011 @ 12:19:15

    Eine sehr gelunge Rezi! Sie weckt bei mir das Verlangen nach Island zu reisen! :-D

    Antwort

  10. Alexandra Hochrainer
    Okt 05, 2011 @ 20:37:39

    Tolle Rezi, die Lust macht auf die Bücher, aber auch auf das Land selbst.

    Antwort

  11. Mausebaer
    Okt 06, 2011 @ 22:54:53

    An Island-Literatur habe ich bisher garnichts gelesen, aber das klingt wirklich gut :-) Von dieser Art der Lebensführung könnten wir uns bestimmt gut eine Scheibe abschneiden…. hier läuft vieles doch sehr viel steifer ab – schade eigentlich…

    Antwort

  12. HeGe
    Okt 07, 2011 @ 12:13:30

    Ab nach Island ! ;-)
    Ich bin schon seit einiger Zeit Island-Fan, aber das hier wirft nochmal ein ganz anderes Licht auf Land und Leute… Sehr sympathisch -> gefällt mir :-)

    Antwort

  13. Chrissi
    Okt 09, 2011 @ 19:02:49

    Mein Cousin war schon mal in Island und war auch ganz begeistert und bei dieser Rezi bekommt man auch Lust, sich das Land mal anzuschauen. Aber erst wird das Buch gelesen…

    Antwort

  14. HoSe
    Okt 09, 2011 @ 19:23:57

    Scheint ein tolles Land zu sein – nur für Urlaub für mich etwas kalt.
    Aber die Rezi finde ich sehr gut.

    Antwort

  15. Bianca
    Okt 10, 2011 @ 08:13:45

    Hihi, als ich in Island war, habe ich die Leute wirklich als sehr freundlich und spontan empfunden. In dem Buch werden dann ja noch ziemlich abgedrehte Sachen erzählt…. Ob das, z.B. mit der unkonventionellen Bewerbung, wirklich so ist, kann ich nicht sagen. Aber was stimmt: es gibt viele sehr kreative Isländer. Von daher verwundert es nicht, dass man auch hier auf sie aufmerksam wurde….

    Antwort

  16. Trackback: Dritte Nachlese zur Frankfurter Buchmesse – Samstag « lesenundmehr

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